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Donnerstag, 06. Mai 2010 10:31

»Umfeld im Blick« 

Dietmar Kocher war vor den Mitgliedern des Stadtjugendrings sichtlich bemüht, der Situation in Sachen Rechtsradikalismus in Schwabach den richtigen Stellenwert einzuräumen. Denn selbst wenn die Kneipe tatsächlich als Treffpunkt der Neonazis eingerichtet wurde, was die Pächterin im übrigen bestreitet: Mehr als drei aktive Rechtsradikale gibt es dort nach Einschätzung Kochers nicht. »Die sind uns geläufig, und wir haben ein besonderes Augenmerk auf dieses Umfeld«, versicherte der Polizeibeamte. 

Nicht auszuschließen sei allerdings, räumte er ein, dass mitunter Gleichgesinnte von auswärts dazu kämen. Wegen der rechtsradikalen Parolen habe der Staatsschutz bereits Ermittlungen aufgenommen, berichtete Kocher. 

Auch die Sicherheitslage in Schwabach scheint durch die Gaststätte nicht übermäßig bedroht zu sein. »Schmierereien wie Hakenkreuze und rechtsradikale Parolen in der Öffentlichkeit« seien vorgekommen, nicht aber Gewaltdelikte, sagte der Ordnungshüter. 

Dies wurde von Nikolai Vetter bestätigt. »Bislang hat es in Schwabach ausschließlich Propagandadelikte gegeben«, wie der Sozialpädagoge von der Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsradikalismus diese Taten nannte. 

Propaganda ist es auch, womit die rechte Szene Schwabachs versucht, den politischen Prozess hier zu beeinflussen. »Sie verteilen Handzettel, auch im Umfeld von Schulen, oder bringen öffentlich kleine Flyer an«, beschrieb Kocher die bekannten Aktivitäten. Die Inhalte seien zwar grenzwertig, sagte Dietmar Kocher, sie besäßen aber keine strafrechtliche Relevanz. 

Nikolai Vetter warnte indes davor, Neonazis ausschließlich hinter rechten Klischees wie Glatze und Springerstiefeln zu vermuten. »Die Szene ist differenzierter geworden und sieht anders aus«, so Vetter. Im rechten Umfeld seien heutzutage Farbige ebenso zu finden wie Baseball-Kappen und Palästinensertücher. Ferner gebe es eine rechte Musikszene, die linke Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Globalisierungskritik besetze, »um noch mehr Leute in die rechten Fangarme zu treiben«. 

Zugleich erläuterte Vetter die Aufklärungs- und Beratungsangebote der Koordinierungsstelle in Nürnberg. Unter anderem gebe es eine Elternberatung sowie Workshops und Studientage zur politischen Bildung, um rechten Parolen argumentativ begegnen zu können.

Copyright (c)2010 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 06.05.2010

Aktualisiert ( Donnerstag, 06. Mai 2010 10:36 )